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Was Galerien betrifft, ist der Kurfürstendamm aus dem Blick geraten. Wer sich in Berlin neu ansiedelt, geht meist nach Mitte. Das heißt aber nicht, dass sich die Reise in den Berliner Westen nicht lohnen würde - schon allein wegen der Galerie Brusberg am Kurfürstendamm. Sobald man durch die schweren Eingangstüren das alte Treppenhaus betritt, könnte man meinen, die Zeit sei stehengeblieben. Ist sie aber leider nicht: In der Beletage am Kurfürstendamm 213 hat jetzt der Kunsthändler Dieter Brusberg seine letzte Ausstellung in der eigenen Galerie eröffnet.
Es ist ein ernster, liebevoller Blick auf wichtig gewordene Weggefährten. Bei der Begehung führt Brusberg rasch und konzentriert durch seine Sammlung, zu jedem Bild weiß er, der „immer mit Herzklopfen" gekauft hat, etwas zu erzählen. Als man zwischen den Werken von Gerhard Altenbourg und Bernhard Heisig steht, sagt Brusberg beschwingt, dass dies ihm der wichtigste Raum sei. Er habe diese beiden Künstler, die mit ihrer ähnlichen Vergangenheit so unterschiedlich umgegangen seien, schon lange zusammen zeigen wollen. Altenbourg habe die Poesie gewählt und Heisig die mahnende ständige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Der 72 Jahre alte Kunsthändler hat seinen Beruf immer auch als kritischen Dialog mit den Künstlern begriffen. Seine Galerie unterhält der studierte Architekt seit 49 Jahren - zunächst in Hannover und seit 1982 in Berlin. Die Ausstellungsarbeit habe ihm immer die größten Glücksgefühle beschert, sagt er, aber es habe sich auf dem Kunstmarkt viel verändert. Brusberg verstand sich immer auch als Kunsthändler für den Mittelstand, und da, sagt er, sei ihm mittlerweile die Klientel weggebrochen. Außerdem bestimmten heute die großen Auktionshäuser den Markt. Doch verbittert ist Brusberg deswegen nicht: Er sei erleichtert, sagt er, die Verantwortung für die Galerie jetzt abzugeben und sich wieder freier den Künsten widmen zu können, auch der Musik und dem Theater.
Als weitere Lebensbegleiter sind in der dichten Ausstellung unter anderen Tom Wesselmann, Richard Lindner, Harald Metzkes, Jürgen Brodolf und Paul Wunderlich sowie der Bildhauer Rolf Szymanski zu sehen. Brusberg verlässt im März dieses Jahres seine eigenen Galerieräume; der Kunst, dem Kunsthandel und Berlin bleibt er jedoch treu. Und vielleicht, sagt er lächelnd, findet sich noch ein Nachfolger für die Beletage am Kurfürstendamm. Ob das sein Sohn sein könnte, der zurzeit beim Bundeskriminalamt arbeitet, verrät er aber nicht.
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