Dieter Brusberg
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 Künstlerprofile
Brusberg Berlin
Alexej Iljitsch Baschlakow
Wilhelm Schläger
Vincent Wenzel

Alexej Iljitsch Baschlakow
(1936 - 1980)

Brusberg Berichte 5/69
"Kunst in Hannover / Die Künstler der Galerie /
Querschnitt / Bilder der Galerie


Ausstellungsberichte

A 63


A.I. Baschlakow
Bilder aus fünf Jahren
erste Einzelausstellung
im Studio: Norbert Kricke:
Kleinplastiken und Zeichnungen
vom 10. April bis 25. Mai 1965
Eröffnungsausstellung der neuen Galerieräume im Kubus

Begrüßung Heinz Lauenroth
Einführung Dr. Peter Lufft
Plakat Farblithografie von Bayrle & Jäger
Katalog für A. I. Baschlakow
mit einem Anhang für N. Kricke
Text von Dr. Peter Lufft
Kartonumschlag, 24 Seiten 17
Abbildungen, davon zwei farbig


"Die Galerie Brusberg in Hannover hat ihre neuen Räume im 'Kubus',
einem aparten Kontrapunkt zur gegenüberliegenden Ruine der gotischen
Aegidienkirche, mit der ersten Einzelausstellung des 29jährigen
russischen Malers Alexij lljitsch Baschlakow eröffnet.
Die Kriegswirren hatten ihn – ein achtjähriges Kind damals – aus der
Gegend von Orel nach Deutschland verschlagen, in ein Dorf am Deister.
Mit seiner leidenschaftlichen Aufnahmebereitschaft lernte er schnell
die deutsche Sprache, las schon mit zehn Jahren Schiller, mit elf konnte
er endlich eine Schule besuchen, mit zwölf begann er zu zeichnen und
zu malen, später erlernte er das solide Malhandwerk, besuchte dann
die Werkkunstschule in Hannover und nahm die neuen kulturellen Impulse
mit der ihm eigenen Intensität auf.

Mehrmals zog es ihn nach Florenz zur Malerei des Quattrocento, zu
Masaccio, Uccello, Piere della Francesca. Aber ebenso fühlt er sich
Cezanne, Morandi, Malewitsch und Brancusi verbunden. Baschlakows
Bildsprache ist abstrakt. Anfangs mag der Betrachter vielleicht vor der
Heftigkeit seiner Aussage erschrecken. Da sind splitternde Balken, gebor-
stene Schäfte, gerammte Pfähle, Scharniere, Pfeile, Spiralen, Winkel,
Verzahnungen, Schärfen – weniger Spuren aus der Welt der Technik als
vielmehr eigenartige Relikte ritterlicher Turniere, Hellebarden, Rüstungen,
Wappen. Da schmettert es Signalrot, funkelt es Rostbraun, jubelt in Rosa
und Orange, selbst das helle Blau wirkt aggressiv, versprüht metallische
Blitze. Aber Schwarz, Grau und Weiß bändigen die Impulsivität.
'Mit den anderen Farben kann man mogeln', sagt Baschlakow, nicht aber
mit dem Weiß. Mit der Farbe Weiß – und Weiß ist eine Farbe – muß der
Maler Farbe bekennen.' Sieht man sich in die Turbulenz der Bilder ein,
spürt man die ordnende Disziplin der Komposition.

Baschlakows Tafeln brauchen viel Raum, damit die festlichen Fanfarenstöße
ihrer Farben und die vehemente Rhythmik der Formen ausschwingen können.
Seine früheren Arbeiten, kleinere Formate, bewahren noch etwas von der
meditativen Stille der Ikonen. Mit dieser ersten Ausstellung erweist sich
Baschlakow als eine neue künstlerische Energie – eigenwillig bemüht, eine
Synthese zu finden zwischen der Gedankenklarheit des Westens und der
Leidenschaftlichkeit des Ostens, Leidenschaftlichkeit im doppelten Sinne –
sowohl als eruptive Willenskraft wie auch als nach innen gewandte
Leidensfähigkeit."

Eva Maria Demisch in der FAZ vom 24. Mai 1965



"Die hannoversche Galerie Dieter Brusberg, die einzige von Rang
zwischen Worpswede, Hamburg und Frankfurt, hat neue Räume
im 'Kubus' an der Aegidienkirche bezogen. Die Eröffnungsausstellung
ist dem 28jährigen, durch die Kriegswirren aus Rußland verschlagenen
Ford-Stipendiaten und Wendland-Schüler Alexij lljitsch Baschlakow
gewidmet.
Brusberg hat den Maler seit Jahren unter Vertrag; er wartete jedoch
mit der Einzelausstellung, bis nun ein entwickeltes Œuvre den Zugriff
verständlich macht. Der Katalog verzeichnet 42 Gemälde von 1960
bis heute. Durchweg kennzeichnet, daß in ihnen scharf abgegrenzte,
zu-, in- und übereinanderstoßende 'abstrakte' Formen, einbahnige
oder nebeneinanderschwingende Kurvenbahnen, dagegen hart abge-
winkelte Bandflächen, gezackte, gezahnte, manchmal auch wieder
abgerundete, stets scheinbar skurril 'ausgesägte' Teile, den Widerstreit
von Kräften spüren lassen; es ist dem Beschauer überlassen, davor
etwa an Ost-West-Spannungen oder entsprechend einem der Bildtitel
('Kleiner Prometheus' 1963) an Titanen-Götter-Kämpfe zu denken.
Gemalt ist mit handwerklicher Bravour (Baschlakow hat den Maler-
beruf erlernt), mehrschichtig dünn und fein verreibend. Vor und neben
relativ milden Zwischentönen verstärken formgebundene Farben,
wie zum Beispiel Blau-Rot-Orange, Schwarz-Weiß-Klänge, das formale,
drängende Gegeneinander."

Herbert H. Wagner in diversen Zeitungen 1965



"... Offene Frage bleibt alles noch bei Alexij lljitsch Baschlakow ...
Seine Bilder in der Galerie Brusberg verblüffen. Sie haben etwas
von der Nachdrücklichkeit Legers, ohne Figuren allerdings, von
der Banalität der Signalscheiben, von der Exaktheit und manchmal
Pedanterie technischer Zeichnungen, von der Kälte bloßgelegter
Röhrensysteme. Die Farben sind, wie schon die Komposition, selbst-
bewußt wie ein Präsentiermarsch. Auf alle Fälle ist die Ausstellung
ein Paukenschlag. Warten wir ab, wie der Nachhall sein wird und
welch ein präziseres Urteil sich bei weiteren Begegnungen ergibt..."

Albert Buesche in Der Tagesspiegel vom 13. Juni 1965 (Auszug)


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