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Brusberg Berlin
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Wilhelm Schläger (1907 - 1990)
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aus: Brusberg Berichte 5/69 "Kunst in Hannover / Die Künstler der Galerie /
Querschnitt / Bilder der Galerie
Ausstellungsberichte
A 56
"Sommerliche Akzente"
Aquarelle und Zeichnungen von
Antes, Engelman, Haubensak, Küchenmeister,
Labberton, Wunderlich
und in einer kleinen Einzelausstellung Ölbilder
von Wilhelm Schläger
vom 29. Juli bis 30. August 1964
Eröffnung mit einer Lesung eigener Texte
von Wilhelm Schläger
Katalog Faltblatt
"Mit liebevoller Hand und viel Einsicht in die Möglichkeiten, Spannungs-
verhältnisse und Kontrastwirkungen zu kultivieren, hat Dieter Brusberg
in seiner Galerie in Hannover eine Ausstellung inszeniert. Er nennt sie
(wie seit Jahren jeweils in den großen Ferien) 'Sommerliche Akzente'.
Aber es ist diesmal viel mehr drin, als dieser etwas unverbindliche
Zwischensaisontitel kundgeben könnte. Die unterschiedlichsten Tempera-
mente sind hier mühelos vereinigt...
... Da hängen beispielsweise Aquarelle von Paul Wunderlich und Ölbilder
von Wilhelm Schläger Tür an Tür. Beide malen gern Akte. Doch während
Wunderlich delikate Abstrusitäten in raffinierter Unterkühlung vorträgt und
bildnerischen Intellekt feinsinnig spiegelt, malt Schläger sich in mühselig
erlangter Einfalt seine alltäglichen Lebensabenteuer vom Herzen.
Der Weltmann Wunderlich und der in der Berliner Idylle lebende Schläger
stehen sich aber plötzlich ganz nahe, wenn man bedenkt, daß auch im
Bildnerischen hochgezüchtetes Raffinement der Einsicht ganz nahe bei
der Einfalt steht und beide Maler sich in der Vorliebe für eine bestimmtes
figuratives Sujet brüderlich vereinen lassen. In der Ausstellung hängen
auch zwei Holländer: Labberton und Engelman. Letzterer macht derzeit
mit drei großen und überzeugenden Bildern auf der "documenta III" in
Kassel auf sich aufmerksam."
Rudolf Jüdes in der Hannoverschen Rundschau
vom 6. August 1964 (Auszug)
"Wilhelm Schläger strahlte. Er hatte sein letztes Geld zusammengelegt
und war aus Berlin nach Hannover gefahren. Er kam zur Ausstellungs-
Premiere der Brusberg-Galerie. Er erlebte einen Triumph. Die Aquarelle
oder Gouachen der arrivierten 'documenta'-Gäste Paul Wunderlich,
Rainer Küchenmeister, Horst Antes, Martin Engelman fand man viel
weniger bemerkenswert als die durchweg figürliche, keineswegs hoch-
feine Malerei des nahezu unbekannten 57jährigen Charlottenburgers.
Sie ist in gewisser Weise unbedarft. Ihre Stärke ist jedoch gerade das
Skizzenhafte und unbekümmert Launige. Schläger studierte ein Jahrzehnt
Malerei und Zeichenkunst. Er zeichnete Stöße anatomisch 'richtiger'
Bewegungsstudien. Akte. Er trägt mit größter Sorgfalt die Malgründe auf.
In ihm steckt etwas unausrottbar Naives, Herzliches, Ungebärdiges.
Träumend malt er, er lebt, um zu malen...
... In den Bildern schlägt sein Herz. Sie sind oft maritim. Mehr als Siena-
braun, das er liebt, ist Blau verwandt. Er kann es sich nicht verkneifen,
gelegentlich ein kleines dampfstoßendes Schiff einzuflechten; der Traum
überwindet die Enge. Schmunzelnd gemalte Seeleute, bärtige Kraftprotze,
fallen auf.
Das Weibliche ist nahe. Exotische Köpfe, Tonmasken, plastische Orna-
mentgesichter beeindrucken. Seine Darstellungen sind scheinbar simpel,
oft einfach gereiht, ergeben etwa eine Art Bildchenrahmen zentralen Bildes.
Die Farben sind kräftig. Leuchtend. Augentrügerisches ist verwunden.
Die Pinselschrift ist unverwischt. Wo wir Geheimnisvolles spüren, ist es
selten vielleicht nie hineingeheimnist. Die starren, kaum mit Licht
und Schatten modellierten Figuren vor, auf den, in Schachbrettrastern
und Mauerstrukturen, die männlichen Gliederpuppen mit verzogenen
Schädeln, die mit erotisch eigentlich wenig aufregenden weiblichen Akten
gruppiert sind, zu ihnen hin-, an ihnen vorbeiblicken: das hat Bedeutung,
über die der unbeweibte Bohemien sich selbst am allerwenigsten
Gedanken macht."
Herbert H. Wagner in verschiedenen Zeitungen, Juli/August 1964 (Auszug)
" ... In den plastischen Ölbildern des Berliners Wilhelm Schläger. Wie durch
einen Guckkasten spult sich hier ein Film in kleinen Formaten ab, handelt
träumerisch von Meeren und Schiffen, vom Matrosen der 'MS Anna' mit
der roten Blume, von ehrbaren, wenn auch unbekleideten Mädchen und
biederen Turnvereinen alles nicht im mindesten naiv, sondern äußerst
gekonnt in leuchtender Farbe gemalt, in anrührender poetischer Einfalt ..."
Ursula Bode in der HAZ vom 5. August 1964 (Auszug)
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