Berliner Zeitung
16.4.2009

Wahlverwandte Bildermacher


Ingeborg Ruthe




Brusberg Berlin öffnet noch einmal seine schon geschlossenen Räume in der Beletage



Väter & Söhne (und auch Töchter)" heißt die wohl ultimativ letzte Schau in den eigentlich längst aufgegebenen Großgalerie-Räumen in der Beletage am Kurfürstendamm 213. Dieter Brusberg, einer der wichtigen und profilierten Berliner Kunsthändler, hat sich letztes Jahr in die kleine überschaubare Hofgalerie desselben Hauses zurückgezogen. Nun aber kommen die alten, unbescheideneren Räume doch noch einmal zur Geltung. Der Hausbesitzer hat Brusberg noch immer nicht aus dem Mietvertrag entlassen, monatelang standen die Säle in Ermangelung eines neuen Nutzers völlig leer. Und so macht der Galerist kurzerhand und pfiffig aus der juristischen "Vertragsnot" eine "Ausstellungstugend", wie er die vertrackte Situation humorvoll umschreibt.

Sechs künstlerische "Väter" und deren sechs Schüler oder in gewissem Sinne "Söhne" und "Töchter" im Bezug auf das Malen, Zeichnen und Bildhauern füllen die Etage noch einmal recht gut aus. Der Konstruktivist Hans Uhlmann, der Nachkriegs-Abstrakte Ernst Wilhelm Nay, der Bildhauer Rolf Szymanski stehen für die westliche Moderne des späten 20. Jahrhunderts. Die Maler Harald Metzkes, Bernhard Heisig und der Bildhauer Berndt Wilde vertreten mit ihren Werken die Moderne im Osten, zugleich auch die 20 Jahre nach dem Fall der Mauer.

Erstaunliche Wahlverwandtschaften offenbaren sich in den Arbeiten der Jungen, der einstigen Schüler der Genannten: Patrick Cierpka, Bertram Hasenauer, Albert Ricken, Sasha Hartslief, Britta von Willert und Vincent Wenzel. Dessen panoramahaftes Bild "Freakfries" von 2008 nimmt, ganz wie bei seinem Lehrer Bernhard Heisig, geschichtliche Ereignisse, Denkwürdigkeiten und Erinnerungen auf, drängt sie in malerisch enge Räume. Die heftige, dichte Expression Heisigs ist bei Wenzel nicht zu finden; es dominiert hier der neusachliche Stil. Doch die Symbolik der miteinander verschränkten Zeitbilder ist unübersehbar.

Brusberg Berlin, Kurfürstendamm 213, bis 16. Mai, Di-Fr 10-18, Sa 10-14 Uhr. In der Hofgalerie ist zugleich Brusbergs "Bildertheater 3. Akt" von Botero über Magritte bis Wijnants zu sehen.

16. April 2009