Berliner Zeitung
16.11.2010

Die Magie der Realisten


Ingeborg Ruthe














Nun ist es also endgültig: Mit "Brot und Spiele" beschließt Dieter Brusberg, dieser langjährige, charismatische Berliner Galerist, dessen einstmals riesige Ausstellungsräume auch gern
"die Nationalgalerie am Ku'damm" genannt wurden, sein Engagement an diesem Ort.
Er gibt den Schlüssel weiter an jüngere Kollegen, an die Kaufleute und Galeristen
Rosendahl, Thöne und Westphal. Letzterem hat er über Jahre selbst in seiner Galerie
das Rüstzeug zum Kunsthändler bester Schule vermittelt.

Die Neuen betreiben ab Januar 2011 die Hofgalerie in dem massigen Gründerzeithaus
Kurfürstendamm 213/ Ecke Uhlandstraße. Nach dem Auszug aus der Beletage hatte sich
Dieter Brusberg im Hof zwar verkleinert, seinem Profil aber ist er stets treu geblieben:
Er zeigte Kunst mit Inhalt aus West und Ost und von höchster malerischer, grafischer,
bildhauerischer Qualität. Im neuen Jahr nun zieht sich der 75-Jährige zurück in eine stillere Enklave,
wo er sich um Kunstbücher, Handel, Beratung und um seine reiche Sammlung Klassischer Moderne, Nachkriegsmoderne und Gegenwartskunst kümmern - und mit mehr Ruhe die eine oder
andere Malerei-Entdeckung machen kann.

Eine dieser Entdeckungen ist der junge Berliner Maler Vincent Wenzel.
Die neuen Bilder des 30-Jährigen in der nunmehr letzten Brusberg-Ausstellung "Brot und Spiele" nehmen geschichtliche Ereignisse, Denkwürdigkeiten und Erinnerungen auf,
drängen in malerisch enge Räume. Die heftige, dichte Expression des Lehrers
an der Kunsthochschule Weißensee - Werner Liebmann - ist bei Wenzel nicht zu finden.
Bei ihm mischen sich neusachlicher, realer, surrealer Stil, Altmeisterliches klingt an.
Aber dieser meisterlich gemalte Inhalt ist hochbrisant. Es sind symbolstarke Gleichnisse
für den achtlosen, ja zerstörerischen Umgang der modernen Gesellschaft mit ihren Werten,
mit ihrer Jugend, mit ihren Ressourcen und der Natur. Auf Bildern, die Wenzel "Eskapaden" nennt,
wird eine Jungfrau auf ein Steuerrad mit Turbine geflochten, sozusagen geopfert auf dem Altar
des technischen Fortschritts. Und auf einem zerstörten Rummelplatz bleibt einem Mädchen
nur der Ariadnefaden aus dem Desaster. Quo vadis?





"Brot und Spiele"
Öl auf Leinwand, 2010
120 x 177 cm


Hofgalerie Brusberg , Kurfürstendamm 213. Ab 17. 11. bis Ende Dezember.
Di-Fr 10-18, Sa 11-15 Uhr.
Ab Januar 2011 beginnt an gleicher Stelle das Galerieteam Rosendahl, Thöne & Westphal die Arbeit.