Galerie Brusberg
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 unsere Projekte

»Berlin am Meer«

Ausstellung
v
om 30. August 2013
bis 28. Februar 2014
















Galerie Peters-Barenbrock
im Grand Hotel Kurhaus
Schifferberg 24
18347 Ostseebad Ahrenshoop

Tel. 038220-66 76 00
Mobil 0171-49 02 469
info@galeriepetersbarenbrock.de
www.galeriepetersbarenbrock.de

Am Eingang des Hotels begegnet man der Großplastik von Pit Kroke
„2TTRO“ Stahlblechkonstruktion, 1986-87
375 x 510 x 380 cm

Zugabe an der Ostsee

Der Galerist Dieter Brusberg geht mit seinen Werken
auf Abschiedstournee nach Ahrenshoop.

Fast hat er etwas von jenen alten Rockstars, die noch und noch einmal Abschiedskonzerte geben.
Auch Dieter Brusberg zeigte immer wieder letzte Ausstellungen in seiner Galerie am Kurfürstendamm, bevor er sie 2010 endgültig schloss. Heute geht er wie ein Rockmusiker tatsächlich auf Tournee mit seiner Kunst, diesmal in den Norden nach Ahrenshoop.

Vermutlich hätte der inzwischen 78-Jährige das von sich selbst nicht gedacht. Anfangs wollte er nur die Galeriearbeit modifizieren und sich angesichts der veränderten Marktlage stärker auf den Handel konzentrieren, weniger Ausstellungen organisieren. Die großen, großen Räume in der Belle Etage des Gründerzeithauses wurden zugunsten der kleineren Hofgalerie im Gartenhaus eingetauscht, wo sich einst das Skulpturenlager befand. Im nächsten Schritt begab sich Brusberg auf die Suche nach einem Nachfolger, der die vor fast dreißig Jahren an der Ecke Uhlandstraße gegründete Galerie samt Adressdatei und Bibliothek übernehmen, ja eigentlich sein Erbe antreten sollte. Einfach war das sicher nicht, für beide Seiten. Denn hier wurden immer die Figurativen geehrt, von Bellmer bis Botero, hier wurde in den achtziger Jahren für DDR-Maler die Türe nach Westen geöffnet. Heute residiert die Galerie Rosendahl, Thöne & Westphal in den Räumen.

Das Archiv befindet sich inzwischen bei der Berlinischen Galerie, ein Großteil der Plastik ist in eine vor vier Jahren gegründete Stiftung für den Skulpturenpark des Westend-Krankenhauses eingebracht. Seit auch das Schaulager am Fürstenplatz aufgegeben ist, betreibt Brusberg den Kunsthandel allein von seinem Privathaus aus: eine Villa in Westend, die einst der Zirkusdirektorin Paula Busch gehörte. Das passe, schließlich bestehe zwischen Manege und Galerie eine gewisse Ähnlichkeit, so der Kunsthändler.

Berlin am Meer“ heißt die neueste Tat in Anspielung auf einen Bildtitel seines Zentralgestirns Werner Heldt. Die Ausstellung mit über hundert Arbeiten von 1918 bis in die Gegenwart wird ab Ende August in Ahrenshoop im Grandhotel Kurhaus zu sehen sein. Mag die Pressereferentin des Hauses auch raunen „Es könnte seine letzte Ausstellung sein, sein Vermächtnis“. Der Rockmusiker der gegenständlichen Malerei gibt zu verstehen, er würde sofort wieder auf die Bühne gehen.

Sich Brusberg als Pensionär, als Sommerfrischler vorzustellen, das gelingt dem Vollblutgaleristen selber kaum. Und so kombiniert er Profession und Freizeitvergnügen. Oliver Schmidt, Besitzer des 2012 eröffneten Grandhotels, hatte diese Disposition bei dem Kurgast, der regelmäßig im Pool des Hauses seine Bahnen zog, offensichtlich erkannt. Auf die Frage, wie ihm denn die Kunst an den Wänden gefiele, bekam er zur Antwort: „Wenn Sie es ernst meinen, muss alles raus hier.“ Der Hotelier nahm ihn beim Wort und holte sich Brusberg für den Neustart an Bord.

Anlässlich der Übergabe des neuen Ahrenshooper Kunstmuseums – ein Konglomerat von Einraumhäusern von Staab Architekten, vergleichbar einer reetgedeckten Hofanlage – wird am darauffolgenden Tag am 31. August im Hotelfoyer die Brusberg-Ausstellung eröffnet. Sie stellt eine Bilanz seiner Galeristentätigkeit dar: beginnend mit Werken der klassischen Moderne von Walter Dexel, Ernst Wilhelm Nay, Max Pechstein, Christian Rohlfs und Kurt Schwitters über Horst Antes, Dieter Goltzsche, Hans Laabs, Rolf Szymanski, Hans Uhlmann bis hin zu Torsten Warmuth und Vincent Wenzel. Es sind seine Liebsten, seine Wegbegleiter, seine jüngsten Entdeckungen. Zugleich ist es ein Gruß an Berlins Badewanne, wie der Ostsee-Ort gern genannt wird, der in den vergangenen hundert Jahren Urlauber wie Künstler aus der Hauptstadt anzog.

In Ahrenshoop wird für Brusberg sinnfällig, was er immer schon in der Kunst zu spüren glaubte und bei Heldt explizit dargestellt sah: sich wiederholende Strukturen wie Wellenlinien, Werden und Vergehen wie Ebbe und Flut, das Phänomen einer zurückkehrenden Natur, die sich die Stadt, die Zivilisation wieder einverleibt. Werner Heldt, der mit seiner Bilderserie „Berlin am Meer“ immer auch auf die Gewalttätigkeit des nur kurz zurückliegenden Krieges anspielte, fand mit seinen vom Wasser umspülten Häusern eine geradezu symbolische Bildformel. „Das ist ein Modell unseres Verhältnisses insgesamt zu Kunst und Kultur,“ so Brusberg. Irgendwann kehrt alles zum Ursprung zurück.

Das ist typisch für den Galeristen, immer das Ganze in den Blick zu nehmen, die Kunst poetisch und politisch zu verstehen. Wer ihn heute nach der Situation des Kunstmarktes fragt, wird immer noch scharfe Antworten erhalten – zu den neuen Sammlern, den verhängnisvollen Auktionen, wie Blue Chips die Preise verderben und dass nirgends so viel gelogen wird wie auf Messen. „Was ich jetzt mache, ist absolut altmodisch“, erklärt er. Auch diese Pose kennt man von alternden Rockmusikern, aber das Publikum will schließlich gerade die Stücke von gestern hören – und sehen.

Der Tagesspiegel, 03.08.2013
von Nicola Kuhn



Vincent Wenzel und Torsten Warmuth



Werner Heldt und Vincent Wenzel



Werner Heldt und Vincent Wenzel



Werner Heldt



Werner Heldt aus der Mappe "Berlin"



Werner Heldt



Werner Heldt und Torsten Warmuth


BERLIN AM MEER

Der Zeitgeist hat keinen Platz im Leben von Dieter Brusberg. Selbst aus einem Hotel in Ahrenshoop, wohin es den Berliner Galeristen seit Jahren zieht, verbannte er die „schalen Abkömmlinge einer dekorativ verstandenen Kunst und füllt es auf Bitten des jungen Eigentümers noch bis Ende Februar 2014 mit gut 100 Werken jener Maler, die dem inzwischen 78-Jährigen stets wichtig waren: Max Pechstein, Christian Rohlfs, Hans Laabs, Ernst Wilhelm Nay, Horst Antes, Hans Uhlmann, Dieter Goltzsche und immer wieder Werner Heldt. Es sind Verfechter einer figurativen, expressiven oder abstrakten Malerei, die eines eint: Ihr Blick richtet sich auf die alltägliche Wirklichkeit und transformiert das Gesehene in ernste, erzählerische, surreale, manchmal romantische Bilder mit allgemeingültigem Anspruch. Nicht nur die Gäste des Grand Hotel Kurhaus, auch Besucher des neuen, nahen Ahrenshooper Kunstmuseums können noch einmal ergründen, nach welchen Kriterien sich Brusbergs von „Form und Sinn geprägte Kunst" bemisst. Alternativ versammelt der Katalog zur Schau „"Berlin am Meer" fast alle Arbeiten in farbigen Abbildungen. Auch hier scheint die Programmatik eines Galeristen auf, dessen Beletage am Ku’damm, Ecke Uhlandstraße in den Achtzigerjahren zum zentralen Ort für figurative Malerei avancierte. Die Galerie hat Brusberg schon 2010 aufgegeben und seine vermittelnde Tätigkeit auf einen Kunsthandel in Berlin beschränkt.

Christiane Meixner
Weltkunst 11/2013



Rolf Szymanski und Werner Heldt



Rolf Szymanski



Rolf Szymanski


Horst Antes



Hans Uhlmann , Burkhard Held und Horst Antes



Hans Uhlmann



Burkhard Held und Horst Antes


Torsten Warmuth



Werner Heldt, Torsten Warmuth und Horst Antes


Eine Hommage auf den Maler Werner Heldt
bei Peters-Barenbrock in Ahrenshoop

"Berlin am Meer", das ist ein schönes Paradoxon für die preußische Hauptstadt inmitten der "Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches". "Berlin am Meer" aber wurde nach 1945 zum Gleichnis für eine apokalyptische Vision, die die im Krieg zerstörte, ruinenübersäte Metropole in bildnerische Allegorien fasste. Meist sieht man aufragende Häuser, wellenumspült, und Totenköpfe, die grinsen.

Werner Heldt, der 1904 in Berlin geboren wurde und 1954 auf der italienischen Insel Ischia gestorben ist, hielt solch apokalyptische Fantasien in Grafiken und Gemälden fest. Es sind einsame Bilder, unheimelig und bedrohlich menschenleer. Das traf die Stimmung, die viele in den Nachkriegsjahren teilten. Heldts Leben war typisch und zugleich untypisch für seine Generation. In den Zwanzigern zuerst an der Kunstgewerbeschule, dann an der Hochschule für bildende Künste ausgebildet, hatte er Anfang der Dreißiger erste Erfolge. Doch als die Nazis die Macht übernahmen, zog er sich nach Mallorca zurück. Der "Aufmarsch der Nullen", eine Menschenmenge, deren Köpfe nur als Nullen gezeichnet sind, mit Fahnen, die den Raum zwischen Häuserzeilen völlig füllt (heute im Besitz der Berlinischen Galerie), war sein Kommentar zu den Veränderungen in der Heimat. Doch 1936 war er wieder in Berlin, wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen, und nach kurzer britischer Gefangenschaft ließ er sich erst im Ostteil der Stadt, dann kurz vor der Blockade im Westteil nieder. Sesshaft zwar, aber nicht heimisch.

"Wenn der Krieg aus ist, will ich von ganzem Herzen traurig und alt sein; aber ich will nicht umsonst gelebt haben; das kann Gott nicht wollen" schrieb er 1941 an seinen Freund, den Maler Werner Gilles. In den ersten Nachkriegsjahren schien sich ihm ein Weg zur Anerkennung zu öffnen. Er stellte mehrfach in Berlins erster Nachkriegsgalerie, bei Gerd Rosen, aus. Und auch nach seinemTode waren bis in die Sechzigerjahre seine Arbeiten häufig zu sehen. Dann aber rückte er in den Hintergrund, galt als zeitbedingt für die Fünfziger und so aus der Zeit gefallen.



Dieter Brusberg, der ihn 1963 in seiner Galerie, damals noch in Hannover, zeigte, hielt ihm bis heute die Treue. Und so sind, von Brusberg zusammengestellt, unter dem heldtschen Titel "Berlin amMeer" in Ahrenshoop seine Bilder sowie mehrere seiner Zeit- und Weggenossen und auch einige heutige Künstler zu sehen. Die in Ahrenshoop beheimatete Galerie Peters-Barenbrock nutzt dafür die große Halle des "Grand Hotel Kurhaus", in dem sie eine Dependance unterhält, sodass nunmehr der Ausblick durch die wandhohen Fenster auf die Ostsee das bildnerische Berlin tatsächlich ans Meer versetzt.

Für viele mag Ahrenshoop am Rande der Welt gelegen und deshalb für günstige Kunstkäufe geeignet scheinen. Das Fischerdorf, das sich nach 1900 zum Künstlerdorf entwickelte, ist sich allerdings seines Wertes bewusst – und unterstreicht das seit diesem Sommer mit seinem neuen ansprechenden Kunstmuseum von Volker Staab.

Die Preise für die Grafiken, Gemälde und Skulpturen der jetzigenAusstellung, die fast alle aus Brusbergs Galerierepertoire stammen, lassen deshalb keine Illusionen aufkommen. Sie beginnen bei 1200 Euro für die Lithografie "Fischer" von Max Pechstein (bereits verkauft) und steigern sich bis zu 120.000 Euro für Heldts titelloses, doch als "Berlin am Meer" charakterisiertes Ölgemälde. Und sie übersteigen diesen Betrag mit einem "auf Anfrage" für sein inzwischen ebenfalls verkauftes "Interieur (Totensonntag)".Wer 30.000 Euro übrig hat, kann die komplette Mappe "Berlin" mit sieben aquarellierten Lithografien erwerben. Oder er kann sie in Heldts kleine Gemälde vom Ende der Zwanzigerjahre investieren, die eine Überraschung sind. Denn diese Ansichten nächtlicher Straßen mit Kneipen und Läden verbinden das "Milljöh" Zilles, mit dem er befreundet war, mit dem tristen Realismus Baluscheks. Kaum bekannt sind diese Bilder. Für 24.000 und 35.000 Euro kann man nun "Alt-Berlin mit Kutsche" oder "Samstagabend im alten Berlin"erwerben.



Zudem sind zwei Federzeichnungen und ein Aquarell mit Fischern von Ernst Wilhelm Nay (für zusammen 68.000 Euro) im Angebot. Wer will, kann sich auch für den "Strand von Misdroy" von Christian Rohlfs (für 46.000 Euro) oder für einige Tuschzeichnungen von Dieter Goltzsche, ebenfalls mit Strandmotiven, zum Preis von 1400 bis 3100 Euro entscheiden. Und wer zu viel Platz in seinen Räumen hat, darf abstrakt Plastisches von Hans Uhlmann (bis 75.000 Euro) oder Figürliches von Rolf Szymanski (36.000 Euro) wählen. Dieter Brusberg lobt sich im Katalog selbst als Kurator, weil er die sonst hotelüblichen bunten Banalitäten durch Kunstwertes ersetzt hat. Da kann man ihm angesichts dieser gelungenen Hommage auf Werner Heldt nicht einmal widersprechen.
Bis 28. Februar 2014

Die Welt 27.10.13
PETER DITTMAR




Dieter Goltzsche



Hans Laabs

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